Eine Studie zur Ausbildung von Schulausbildern in den Niederlanden

Themenausgabe: Ausbilden in der Schule
Zeitschrift für Lehrerausbilder 30(4) 2009 – Peter Ruit

Qualität soll in Systemen gesichert und in Menschen verankert werden‘ – Daniel Ofman

In seiner Studie beschreibt Peter Ruit, wie am Ausbildungsinstitut der Christlichen Hochschule ‚Driestar Educatief‘ Schulausbilder ausgebildet werden. Der Fokus der Studie lag dabei auf der Bedeutung von Kernreflexion in der Weiterbildung von Schulausbildern sowie den Auswirkungen in der Begleitungspraxis der Kursteilnehmer. Untersucht wurde die Zufriedenheit der Schulausbilder mit der absolvierten Weiterbildung, den Lernergebnissen und dem Vermögen, das Gelernte in der täglichen Arbeit anzuwenden.

Wie kann die Qualität des Ausbildens in der Schule sichergestellt und weiter verbessert werden. Das Ausbilden und Einstellen von Schulausbildern soll dabei helfen. So lassen vereinzelte Schulen einen Klassenlehrer in einem zweijährigen Projekt als Schulausbilder weiterbilden. Die positive Resonanz der Schulausbilder spricht für sich: „Ich bin mir viel mehr darüber bewusst geworden, wer ich bin, was meine Meinungen und Überzeugungen sind, was mich inspiriert und wer ich für andere bin“, berichtet einer. Die Basis-Schulung dauert zwei Jahre und beinhaltet zehn Kurstage mit den Kernthemen: Coachen mithilfe von Kernreflexion; Unterrichtsvorbereitung; Arbeiten an Lehrkompetenzen; Konsistent arbeiten mit einer Unterrichtsvision. Neben diesen Kurstagen bearbeiten die Kursteilnehmer Aufgaben und halten ihre persönliche berufliche Entwicklung in einem portfolio-artigen Logbuch fest. Außerdem wird Gebrauch gemacht von ‚Peer-Coaching‘.

„Ich bin mir viel mehr darüber bewusst geworden, wer ich bin, was meine Meinungen und Überzeugungen sind, was mich inspiriert und wer ich für andere bin“.

Zitat eines Schulausbilders

Untersuchungskonzept

Ruit hat seine Studie in zwei Gruppen von Schulausbildern durchgeführt und ist dabei in erster Linie der Frage nachgegangen, welche Bedeutung Kernreflexion in der Ausbildung von Schulausbildern für deren Lernprozess hat und welche Auswirkungen sie auf ihre Begleitungspraxis hat.

Er erhielt dabei Aufschluss über die Bedeutung von Kernreflexion in der Ausbildung von Schulausbildern. Diese seien laut Ergebnis der Studie mit der Ausbildung, in der Kernreflexion angeboten wird, zufrieden. Die Schulausbilder geben an, dass sie in der Begleitung von Studierenden und Kollegen fähiger geworden sind. Drei der angebotenen Themenfelder, nämlich der Kernreflexionsprozess, das Zwiebelmodell und der Lift, werden durch knapp die Hälfte der Antwortenden als bedeutungsvoll angegeben, das Benennen von Kernqualitäten wird durch einen kleinen Teil (27%) wiedergegeben.

Offensichtlich ist ein großes Maß an Zufriedenheit noch keine Garantie dafür, dass eine abrufbare Zunahme von Kenntnissen stattfindet. Er kommt auch zu dem Ergebnis, dass die Arbeit mit Kernreflexion in der Wahrnehmung der Schulausbilder offensichtlich das Lernen auf verschiedenen Niveaus stimuliert. Es ist nicht nur die Rede von verbessertem Handeln (Verhalten), sondern auch von erhöhter Qualifizierung (Kompetenz). Auffassungen (Überzeugungen) sind aktualisiert oder man ist sich ihrer bewusster geworden. Das Selbstbild (Identität) ist verändert, es ist die Rede von einem positiveren Selbstbild und letztlich sind die Ideale (Engagement) mehr in den Fokus gerückt.

Nach seiner Auswertung der Studie und Reflexion spricht er u.a. die Empfehlung aus, in die Qualität der Ausbildung von Schulausbildern durch Entscheidungen darüber, was man anbieten möchte, zu investieren und mit diesen begrenzten Themenfeldern in die Tiefe zu gehen. Man solle Kernreflexion verwenden, um tiefgreifendes Lernen zu stimulieren.

Reflexion als Fundament professioneller und persönlicher Entwicklung

Reflexion spielt eine fundamentale Rolle beim Bilden eines Zusammenhangs zwischen Kenntnisentwicklung, professioneller und persönlicher Entwicklung. Bosch und Moll formulieren die Definition von Reflexion als: „das Nachdenken über deine Erfahrungen (systematisiert) und das Ableiten von Lernerfahrungen daraus“ (Bosch und Moll 2005: 101). In seinem Handbuch zur Supervisionskunde beschreibt Siegers Reflektieren als „die Fähigkeit, auf eine beispielhafte Erfahrung zurückzugreifen und ihr eine neue Bedeutung zu entnehmen“ (Siegers 2002).

Erfahrungen spielen beim Ausbilden eine Schlüsselrolle und können als Ausgangspunkt dienen. Der (angehende) Lehrer erhält den Raum, eigene Fragen zu stellen, die für das Wachsen im Beruf relevant sind. Hierbei ist Begleitung nötig, so dass der (angehende) Lehrer lernt, sich selbst die richtigen Fragen zu stellen. Über die Reflexion eignet sich der (angehende) Lehrer die Fähigkeit an, Verbindungen zwischen Erfahrungen und Theorie herzustellen. Somit werden Fähigkeiten dynamisch, vielseitig anwendbar und eins mit der Person des Studierenden (Korthagen e.a.: 2006). In der Ausbildung der Schulausbilder wird an seinem Institut vornehmlich mit einer induktiven Vorgehensweise gearbeitet.

Bei einer deduktiven Herangehensweise an das Ausbilden hingegen ist die Theorie der Ausgangspunkt. Lehrer (in Ausbildung) werden mit für sie neuen theoretischen Ansichten konfrontiert und es wird von ihnen erwartet, dass sie diese Theorien in ihr berufsmäßiges Handeln integrieren können. Es sollte eine Balance gefunden werden zwischen induktiver und deduktiver Herangehensweise.

Bei fast allen zitierten Beschreibungen von Reflexion liegt eine Betonung auf dem systematischen Nachdenken, woraus eine einseitige Aufmerksamkeit für den kognitiven Aspekt abzuleiten ist. Laut Ruit sollte es bei Reflexion um mehr gehen als allein um das Denken über die Erfahrung. Seiner Auffassung nach ist ein Mensch mehr als Kognition, denn es spielen auch affektive und motivatorische Faktoren eine zentrale Rolle, und das sicher auch im Unterrichtsverhalten.

Das Modell von den Schichten der Persönlichkeit

Er beschreibt das Modell der Persönlichkeitsschichten, auch Zwiebelmodell genannt. Es macht deutlich, dass wahrnehmbares Verhalten oft durch andere Schichten der Persönlichkeit geleitet wird. Sowohl der Kontext, als auch die ihm zugrunde liegenden Kompetenzen, Überzeugungen, Identität und Engagement beeinflussen das Verhalten. Die Schichten des Verhaltens, der Fähigkeiten und Auffassungen sind zumeist von der Reflexion betroffen. Aber sobald auch die Schichten der Identität und des Engagements von der Reflexion angesprochen werden, handelt es sich um Kernreflexion, da diese Schichten mehr den Kern der Person berühren. Somit wird deutlich, dass die verschiedenen Schichten für die Funktion von Lehrern eine Rolle spielen können.

Lift, Flow, Kernqualitäten und Kernfeedback in der Ausbildung

Ein wichtiger Aspekt von Kernreflexion ist der Unterschied zwischen ‚von außen erlernen‘ und ‚von innen heraus entwickeln“. Kernqualitäten können von innen heraus entwickelt werden, unter anderem durch das Überwinden der inneren Hindernisse, die um die Kernqualitäten herum gewachsen sind. Genau dies ist der Inbegriff der Kernreflexionsmethodik.

Vier zentrale Begriffe werden in der Ausbildung von Schulausbildern verwendet: Lift, Flow, Kernqualitäten und den Kernreflexionsprozess. Lift ist eine Metapher für einen Prozess, der alle drei Dimensionen des Denkens, Fühlens und Wollens flexibel zum Zuge kommen lässt. Flow ist das Phänomen, inspiriert und engagiert beschäftigt zu sein, aus einer optimalen Balance zwischen Herausforderung und Fähigkeit heraus. Die Besonderheit von Flow ist, dass die Kernqualitäten in dieser Situation optimal eingesetzt werden. Die betreffende Person fühlt sich wie ein Fisch im Wasser, es ist wenig Angst vorhanden. Kernqualitäten sind des Menschen ‚ureigenste‘ Eigenschaften, die das Potential an persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten formen und einem Menschen zur Verfügung stehen, auch wenn er sie nicht nutzt. Wann immer jemand bei einem anderen Kernqualitäten erkennt und benennt, wird dies als Kernfeedback bezeichnet. Und wenn ein Kernfeedback gegeben wird, entsteht Wachstum: „Menschen wachsen, wenn sie gesehen und in ihren (Kern-)Qualitäten bestätigt werden“ (Korthagen & Lagerwerf 2008: 65).

Lesen Sie Weiter: Das Modell von den Schichten der Persönlichkeit

Quellen

Peter Ruit ist Senior-Ausbildungsdozent, Wissenschaftler, Supervisor und Coach. Er hat Erfahrung mit der Durchführung wissenschaftlicher Studien, der Ausbildung von Schulausbildern und mit Team-Training. Daneben ist er Prüfer für die Stiftung Registratur Lehrerausbildung (NL).

Peter Ruit

http://www.nji.nl/smartsite.dws?id=145649

http://www.driestar-onderwijsadvies.nl/l/library/download/120757

Zusammenfassung des Artikels von Peter Ruit
Ruit, Peter: „Onderzoek naar opleiden van schoolopleiders“, in: Tijdschrift Velon, Editie 4, 15 december 2009.

Literatur

Korthagen, FA.]. (2011). Ik heb er veel van geleerd: Fen reflectie
over effectief opleiden en krachtgericht coachen. Afscheidsrede
Utrecht: Universiteit Utrecht.

Korthagen, F & Lagerwerf, B. (2011).
Leren van binnenuit: Kwaliteit en inspiratie in het onderwijs. Den Haag: Boorn Lernrna.

Ofman, D. (2010). Bezieling en kwaliteit in organisaties. Servire

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Wolf, K.van der (2007). Het wassende water van de kinderenzorg. MESO magazine, 5-9.